Drehscheibe Nr. 114 Juni 2026

21 Ausgabe 114- Juni 2026 | Laos - Reise durch ein stilles Land (2) | REISEN Tee in Champasak mit Mekong-Blick schene Straßen genügt mir, um mich für geführte Touren zu entscheiden. Rund um Pakse wechseln sich Tempel, kleine Dörfer und üppige Vegetation ab. Auch die Ho Tay Pidok Library ist einen Halt wert. In dem schlichten Holzgebäude auf Stelzen wurden über Jahrhunderte wertvolle Palmblattmanuskripte aufbewahrt – ein Zeugnis der Kultur dieses Landes. Die eindrücklichsten Erlebnisse warten jedoch dort, wo keine Sehenswürdigkeit ausgeschildert ist. Ich verbringe eine Nacht in einem kleinen Dorf, das selten Besuch von Reisenden erhält. Die Häuser sind einfach, das Leben folgt dem Rhythmus der Natur. Am Abend versammelt sich die ganze Familie auf dem Boden zum Essen. Mit Gesten, Lachen und einigen englischen Wörtern entstehen Gespräche, für die es keine gemeinsame Sprache braucht. Als ich einen traditionellen Sinh anziehe und zu laotischer Musik mittanze, bin ich endgültig Teil des Abends. Diese Begegnung und die Gespräche beschäftigen mich lange. Wieder in Pakse wird mir klar, dass Laos mich nicht mit Sehenswürdigkeiten beeindruckt, sondern mit seinen Menschen. Mekong und Kolonialgeschichte Nächster Halt Champasak: Mit einer kleinen Fähre setze ich über den Mekong in die Provinzstadt über. Kolonialhäuser, schattige Alleen und die ruhige Uferpromenade verleihen dem Ort einen besonderen Charme. Die meisten Besucher:innen kommen wegen Vat Phou. Die Tempelanlage zählt zu den ältesten religiösen Stätten Südostasiens und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Schon der Weg hinauf führt vorbei an jahrhundertealten Mauern, bevor sich oben der Blick weit über die Ebene des Mekong öffnet. Noch eindrucksvoller ist die Atmosphäre: Zwischen Räucherstäbchen, Blumenopfern und Gebeten wird deutlich, dass Vat Phou ein Wallfahrtsort geblieben ist. Nach Nakasang zu den 4.000 Islands Je weiter ich nach Süden reise, desto heißer wird es – und desto weniger Tourist:innen begegnen mir. Mit einem Kleinbus fahre ich nach Nakasang, dem Ausgangspunkt für die berühmten 4.000 Islands, von den Einheimischen Si Phan Don genannt. Hier verzweigt sich der Mekong auf einer Breite von bis zu 14 Kilometern in unzählige Flussarme. Während der Trockenzeit ragen Hunderte Inseln und Sandbänke aus dem Wasser und bilden eine außergewöhnliche Flusslandschaft. In Nakasang befindet sich der letzte Bankomat. Danach heißt es: Bargeld einstecken und zurückschalten. Auf der Insel Don Khon scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Für 20 Cent leihe ich mir ein Fahrrad und erkunde die Insel. Autos gibt es nicht. Wasserbüffel, Fischerboote und das Leben am Mekong bestimmen den Alltag. Ich entdecke viele Badestellen am Fluss. Erst an den gewaltigen Khone-Wasserfällen zeigt der Mekong seine Kraft und macht deutlich, warum hier jede Schifffahrt endete. Lebhafter geht es auf der Nachbarinsel Don Det zu. Backpacker:innen sitzen in Bars, Kajaks gleiten über den Fluss und zum Sonnenuntergang füllen sich die HänBeeindruckendes Südlaos - Blick auf die 4.000 Islands bei Sonnenuntergang Ein Sandstrand am Mekong Tad Yuang-Wasserfall in der Provinz Champasak

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