11 Ausgabe 115 - September 2026 | Die Bahn im modernen Krieg | HISTORISCHE BETRACHTUNGEN gab es aber auch Widerstand von Eisenbahnern gegen das Regime und Sabotageakte gegen die deutschen Besatzer. Die Bahn im Kalten Krieg Im Ost-West-Konflikt bildete die Bahn nach 1945 das Rückgrat der Militärstrategie der Warschauer Pakt-Staaten. Aufgaben waren die Logistik für Einheiten am Eisernen Vorhang und schwerste Materialtransporte, wobei die unterschiedliche Spurweiten ein Problem waren. Und in den 1980er Jahren setzte man im Ostblock sogar mobile Interkontinentalraketen auf Eisenbahnfahrzeugen ein. Der Westen nutzte den Vorteil seiner einheitlichen Normalspur für die Konzeption von Aufmarschplänen für NATO-Panzertruppen. Außerdem hielt man in Westdeutschland eine Anzahl von Sanitätszügen für den Verwundetentransport bereit. Eine Besonderheit waren militärische Interzonenzüge, wie „The Berliner“ der Truppen nach Westberlin brachte. Mit dem Ende des Kalten Krieges verlor die militärische Bahnlogistik an Bedeutung. Lebensader Bahn in der Ukraine Jahrzehnte später wurde Bahnlogistik im Krieg aber leider erneut zum Thema: Mit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 wurde die Bahn schlagartig zum Rückgrat und zur Lebensader der Logistik des Landes. Sie ist wichtigstes Transportmittel für Zivilisten, Evakuierungen aus Kampfgebieten und humanitäre Hilfe, aber auch militärische Güter. Daher gibt es massive Angriffe auf die Bahninfrastruktur. Wobei Russland nun aber gezielt ukrainische Züge mit Drohnen angreift und den Tod von Zivilist:innen in Kauf nimmt. Das ukrainische Bahnpersonal arbeiten seither an einer Front auf der Schiene, was jede Fahrt zum Risiko macht. Diese Angriffe auf Personenzüge sind außerdem eine weitere Eskalation: Russland greift mit der Bahn nämlich ein Symbol des ukrainischen Widerstands an. Denn trotz des Krieges sind ukrainische Züge bisher fast immer gefahren und pünktlich angekommen. Und das Bahnmanagement will, trotz der Bedrohung, so viele Strecken wie möglich bedienen. Denn die Menschen in der Ukraine brauchen die Züge und werden sie weiter nutzen. Text: Mag. E. Suppan / Fotos: Internet & GKB_Archiv Panzerentladung am Ladegleis Graz Köflacherbahnhof mit Bombenschäden u. Sperrballon Ein zweiachsiger Kohlewaggon der GKB nach einem Bombentreffer Ausgebrannter ukrainischer Personenzug nach einem Drohnenangriff
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