Drehscheibe Nr. 111 September 2025

8 | Ausgabe 111 - September 2025 Drehscheibe: Herr Nationalratsabgeordneter Moitzi! Wie war Ihr Wechsel in die Bundespolitik und fahren Sie jetzt noch mehr mit der Bahn? NAbg. Moitzi: Der Wechsel in die Bundespolitik war natürlich ein großer Schritt, aber einer, der sich für mich richtig anfühlt. Ich habe in der steirischen Politik viele Jahre Erfahrung gesammelt – vom Gemeinderat über den Landtag bis hin zu meiner Arbeit im Bereich Sozial- und Verkehrspolitik. Im Nationalrat kann ich diese Erfahrung nun einbringen, um Themen voranzutreiben, die mir besonders am Herzen liegen: Mobilität und soziale Gerechtigkeit. Und ja, ich sitze mittlerweile noch öfter im Zug – nicht nur, weil ich Verkehrssprecher bin, sondern weil die Bahn für mich das beste Beispiel dafür ist, wie moderner Verkehr aussehen kann. Wer viel unterwegs ist, merkt sehr schnell, wo es gut läuft und wo es noch Engpässe gibt. Genau das motiviert mich. Und: Mehr Bahnfahren ist für mich „Elektrifizierung der GKB ist ein Quant- ensprung für die Weststeiermark!“ Die Redaktion der Drehscheibe interviewte den neuen Verkehrsausschussvorsitzenden im Nationalrat: Wir sprachen mit NAbg. Wolfgang Moitzi über den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Bedeutung der Koralmbahn, die Elektrifizierung der GKB und die Zukunft der Mobilität. nicht nur eine politische Überzeugung, sondern auch ein praktisches Statement für klimafreundliche Mobilität. Drehscheibe: Als Obmann des Parlamentsausschusses für Verkehr und Mobilität sind Sie eine wichtige Schnittstelle zwischen Ministerium und Nationalrat: Welche Verkehrs- und Mobilitätsprojekte werden Sie im Ausschuss beschäftigen? NAbg. Moitzi: Der öffentliche Verkehr steht im Mittelpunkt, weil er die Grundlage für eine nachhaltige und soziale Mobilitätswende bildet. Der neue ÖBB-Rahmenplan ist dabei ein zentraler Baustein – wir reden von Rekordinvestitionen von rund 20 Milliarden Euro bis 2030. Mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn und des Semmering-Basistunnels schaffen wir nicht nur schnellere Verbindungen zwischen Klagenfurt – Graz – Wien, dadurch eröffnen sich auch ganz neue Möglichkeiten für Fahrgäste. Ein großes Thema ist auch die Digitalisierung: Wir wollen das Bahnnetz smarter machen – von moderner Leit- und Sicherungstechnik über Echtzeitinformationen bis hin zu einfacheren Ticketlösungen. Wir müssen es auch schaffen, deutlich mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dafür braucht es nicht nur politische Maßnahmen, sondern auch Investitionen in Terminals und Verladestellen. Außerdem beschäftigen wir uns im Ausschuss mit den Regionalbahnen. Die GKB ist hier ein gutes Beispiel: Durch die Elektrifizierung und die bessere Anbindung an die Koralmbahn entstehen neue Chancen für Pendlerinnen und Pendler. Unser Ziel ist ein Verkehrssystem, das als Gesamtes gedacht ist – Bahn, Bus, Rad und neue Mobilitätsformen müssen ineinandergreifen, damit Mobilität überall in Österreich leistbar und attraktiv bleibt. Drehscheibe: Stichwort Koralmbahn und Semmering-Basistunnel! Wie wichtig sind diese großen Infrastrukturprojekte für Österreich und die Steiermark? NAbg. Moitzi: Diese Projekte sind echte Gamechanger. Mit der Koralmbahn rücken die Steiermark und Kärnten noch enger aneinander. Graz und Klagenfurt sind in weniger als einer Stunde verbunden. Das ist nicht nur für Pendlerinnen und Pendler ein enormer Fortschritt, sondern auch für die Wirtschaft, den Tourismus und den Arbeitsmarkt. Ähnlich bedeutend ist der Semmering-Basistunnel: Er verbessert die Verbindung Richtung Wien massiv, macht die Südbahn schneller und zuverlässiger und bringt sie auf Augenhöhe mit der Westbahn. Das bedeutet kürzere Fahrzeiten, mehr Kapazität und vor allem mehr Möglichkeiten für neue Linienführungen. Für die Steiermark ergeben sich daraus konkrete Vorteile: Wir planen eine massive Ausweitung des Fahrplans – von neuen Interregio-Verbindungen bis hin zu einem dichteren S-Bahn-Netz. Die Südbahn kann damit ähnlich wie die Westbahn ein Zugpferd des österreichischen Schienenverkehrs werden. Gleichzeitig profitieren auch ländliche Regionen, die durch bessere Verbindungen enger mit den Ballungsräumen verknüpft werden. Diese Investitionen sind nicht nur Infrastrukturmaßnahmen, sie sind ein Motor für Wachstum, Standortentwicklung und Klimaschutz. Drehscheibe: Abgestimmt auf die Inbetriebnahme der Koralmbahn hat die GKB am 4. August 2025 auf der SBahn-Linie S6 den elektrischen Betrieb aufgenommen: Welche Bedeutung hat die Elektrifizierung der weststeirischen Regionalbahnstrecken für die Mobilitätsentwicklung? NAbg. Moitzi: Die Elektrifizierung der GKB ist ein echter Quantensprung für die Weststeiermark. Damit schaffen wir die Basis für ein modernes und leistungsfähiges S-Bahn-Netz, das perfekt auf die KoINTERVIEW | Verkehrsausschussvors. NAbg. Wolfgang Moitzi NAbg. Wolfgang Moitzi ist Bahnvielfahrer

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